Classic Motocross Pulkau 26.06.2010

Sturz während des Starts von Fritz Bichler, Lubomir Duda und Erich Winter

Strahlender Sonnenschein im niederösterreichischen Pulkau, einem kleinen Ort mit 1.500 Einwohnern im nördlichen Weinviertel, nahe der tschechischen Grenze.

Wie beinahe schon jedes Mal in dieser Saison, kämpften die Veranstalter des Niederösterreich West-Cups und der Streckenbetreiber Reinhard Altmann, mit den voran gegangenen heftigen Regenfällen und gaben ihr Bestes, um die Strecke für das Rennen zu präparieren. Der durch die Sonne wieder aufgetrocknete, steinharte Lehmboden, verwandelte sich durch maschinelles Aufrauen in loses und rutschiges Geröll – viele Fahrer vermuteten während des Trainings ein plattes Hinterrad, tatsächlich hat ihnen aber nur die Beschaffenheit des Untergrunds einen Streich gespielt. Vor den Rennen gelang es durch Wässerung und Zermalmen der Lehmbrocken mit einer riesigen Straßenwalze, die Strecke weitgehend zu glätten, allerdings mit dem Nachteil einer enormen Staubentwicklung. Dem Westwind war es gedankt, dass sich die mächtigen Staubwolken diesmal vom Fahrerlager fern hielten.

Trotz der Abwesenheit einiger bekannter Gesichter konnten die Freunde historischer Motocross-Maschinen mit einem nahezu voll belegtem Startgatter glänzen. Insgesamt neunzehn Fahrer, davon zwei sehr liebenswerte und weit gereiste Gäste aus Deutschland – Barbara Fischer und Martin Grassl aus Bayern.

Staub und Stürze …

1. Lauf: Der extrem motivierte »Raketenmann« Fritz Bichler startete mit gezündetem Nachbrenner, verlor in der ersten Kurve allerdings die Bodenhaftung, driftete von seiner geplanten Linie nach außen ab und touchierte mit seinem Vorderrad das Heck von Lubomir Duda. Beide Fahrer gingen unsanft zu Boden, der knapp dahinter liegende Erich Winter konnte nicht mehr ausweichen, bremste hart – zu hart – und legte sich unmittelbar zu den beiden anderen Helden dazu. Dem deutschen Teilnehmer Martin Grassl gelang es mit einer sehenswerten Speedwayeinlage innen vorbeizukommen, ebenso Anton Steiner und Fritz Bratza.

Die starke Staubentwicklung und geringe Sichtweite machte den Fahrern im hinteren Teil des Feldes schwer zu schaffen, erst in der dritten Runde wurde die Sicht besser, da war es aber schon zu spät, um in das Geschehen noch aktiv eingreifen zu können. Erich Grünauer kam beim Start gut weg, zeigte trotz seiner seltenen Teilnahme ein konstantes Rennen und ließ noch einige Fahrer hinter sich. In der letzten Kurve vor der Zielflagge kollidierten Hubert Schreiber und Erich Winter, Schreiber stürzte hart, konnte aber seine Maschine noch schiebend ins Ziel bringen. Trotz seiner Verletzung – während eines kurzen Krankenhausaufenthalts am Sonntag wurden fünf gebrochene Rippen diagnostiziert – startete er noch im zweiten Lauf und hielt eisern bis zum Ende durch. Respekt! Wir wünschen Hubert Schreiber auf diesem Weg alles Gute und baldige Besserung!

Eile mit Weile …

2. Lauf: Große Aufregung zwei Sekunden vor dem Startsignal! Der Rennleiter Kurt Theuretzbacher bricht den Start ab, da Lubomir Dudas Begleitung hektisch sein Fehlen anzeigte. Duda konnte aber seine Maschine dennoch nicht sofort zum Laufen bringen, daher erfolgte nach einiger Wartezeit ein zweiter Start ohne ihn. Diesmal ohne Stürze, dafür mit einem fantastischen Holeshot von Fritz Bratza. Lubomir Duda stieg mit einer halben Runde Verspätung und einer kleinen Abkürzung (nicht über die Startlinie) in das Rennen ein und hetzte dem Feld hinterher. Dieses Jahr hat er noch Glück gehabt, denn das Reglement 2010 sieht für solche Fälle noch keine Sanktionen vor …

Der Tagessieg (nach NÖ-West-Cup-Wertung) bei den Classic-Fahrern ging überraschenderweise an den sympathischen Bayern Martin Grassl, der mit seiner von einigen wohl unterschätzten Honda XL 250 ein unglaubliches Rennen fuhr. Gemäß der Wertung der Österreichischen Classic Motocross Meisterschaft ging der Tagessieg ex aequo an Anton Steiner und Erich Winter. Den Tagessieg bei den Twinshocks holte sich Gerhard Wallisch vor Johann Müller und dem Neueinsteiger Andreas Ritt aus Seitenstetten.

Mehr und weniger …

Martin Grassls Begleiterin Barbara Fischer auf ihrer 175 ccm 4-Takt Honda begeisterte Fahrer und Zuschauer mit ihrem netten Wesen und erntete großen Beifall. Beide freuten sich über die Teilnahme am Rennen und die freundliche Aufnahme in den Kreis der österreichischen Classic-Crosser.

Am Abend nach der Siegerehrung wurden die zahlreich herumschwirrenden Gelsen mit einem riesigen Lagerfeuer in die Flucht geschlagen und der Renntag gemütlich bei Speis und Trank zu Ende gebracht. Wenn auch mit Wehmut! – Es ist zu befürchten, dass der Betreiber Reinhard Altmann die MX-Strecke wegen nicht aufzubringender finanzieller Mittel schließen muss und diese den Motocross-Sportlern im nächsten Jahr wohl nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Sponsoring-Anfragen von MX-begeisterten Unternehmen leiten wir selbstverständlich gerne an den Streckenbetreiber weiter!

Gesamtrangliste

Bei den Classic-Fahrern führt unverändert Lubomir Duda vor Harald Schwarz und Erich Winter. In der Klasse Twinshock liegt Gerhard Wallisch um eine halbe Speichenlänge vor Hubert Schreiber, Wolfgang Panzenböck verteidigt noch den dritten Platz, wird aber in absehbarer Zeit mit dem fleißigen Punkte-Sammler Johann Müller Bekanntschaft machen …

Wir verabschieden uns damit in eine kurze Sommerpause und sehen uns wieder am 14.08.2010 beim Niederösterreich West-Cup in Laussa.

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Zuletzt aktualisiert: 30.06.2010 1:47 Uhr