Classic Motocross Laussa 14.08.2010

Fritz Bichler auf CZ nähert sich dem Holeshot

Neun Uhr morgens im Mostviertel. Die Zufahrt zum Ort des Geschehens ist ein Erlebnis für sich! Kaum hat man den kleinen Ort Laussa verlassen, windet sich eine schmale Straße den mächtigen und von saftigen grünen Wiesen flankierten Plattenberg empor! Eine kurze Unachtsamkeit und man findet sich ein paar hundert Meter tiefer und einige Überschläge weiter, wieder auf dem Boden der Tatsachen. Der Weg ist das Ziel!

Nach kurzen mulmigen Anfällen ob der Höhe und den steilen Abhängen, zeigte sich das entlang der Straße angelegte Fahrerlager, welches die Classic MXer in der Reihenfolge ihrer Ankunft über einen weiten Bereich verteilte.

Definitiv eine der großartigsten Motocross-Kulissen, die der Autor dieser Zeilen je gesehen hat! Der Windpark am Plattenberg – riesige Windenergieanlagen inmitten einer fast schon surrealen Landschaft. Laussa und seine Landschaft ist definitiv eine Reise wert.

Das Wetter zeigte sich während des Tages von seiner positiven Seite, wobei es anzumerken ist, dass es einen Tag zuvor »traditionell« starke Regenfälle gab, obwohl die ganze Woche davor regenfrei war. Eventuell sollten die Crosser hin und wieder in der Kirche vorbeischauen und zumindest einen kleinen Rosenkranz auf den Herrn Petrus beten …

Das erste, früh morgens angesetzte Training der Fahrer »modernem Geräts«, war jedenfalls schon mal ein recht spektakuläres Ereignis! Die Abfahrten auf der »fetten« Wiese resultierten in Bremswegen wie bei voll beladenen Öltankern, unwürdiges Herumeiern in der hängenden Kurve rund um den Hügel und ein kerniger Steilhang mitten im vor Feuchtigkeit dampfenden Wald, in dem sich nach kurzer Zeit ein beißender Geruch übelst gemarterter Kupplungen manifestierte. Der Anblick der schon im unteren Bereich gestürzten und im Mittelteil um Luft ringenden Fahrer, erinnerte den Autor an selbst erlebte Dramen in den feuchten Wäldern bei Lunzer Endurorennen!

Die Veranstalter des Niederösterreich West-Cups dachten bereits an eine Absage der Veranstaltung, als aber die Sonne immer intensiver zum Vorschein kam und ein Auftrocknen des Bodens versprach, wurde einfach der Zeitplan etwas abgeändert und die Strecke an einigen Stellen neu präpariert. Mutige Baggerfahrer begaben sich auf die zum Teil stark abschüssige Strecke und bewegten eine Menge Erdreich. Die schwierigsten Passagen der Strecke wurden entschärft und waren nach kurzer Zeit gut befahrbar. Dennoch wurde der Steilhang für die jüngsten und ältesten Teilnehmer aus dem Streckenverlauf entfernt und durch eine Umfahrung bzw. Abkürzung ersetzt.

Die Classic Crosser konnten dann auf der von den modernen Klassen bereits etwas aufgefahrenen Strecke trainieren und gingen 40 Minuten später an den Start ihres ersten Rennlaufs. Während des Trainings löste sich Lubomir Dudas Zylinderkopfdichtung in Luft auf und konnte während der kurzen Pause nur behelfsmäßig repariert werden.

1. Lauf

Lubomir Duda riss sich den Holeshot unter den Nagel, gefolgt von Fritz Bichler und Fritz Bratza. Johann Müllers Kramer kam mit der Höhenluft nicht ganz zurecht und weigerte sich das Startgatter zu verlassen. Müller zündete schließlich den Nachbrenner und jagte dem Feld hinterher. Im Laufe des Rennens holt er Platz für Platz auf und siegte letztendlich. Wie von Lubomir Duda bereits vor dem Start befürchtet, hielt seine notdürftig geflickte CZ 380 nicht lange durch. Für ihn endete das Rennen bereits nach der dritten Runde. Gerhard Albrecht kämpfte indessen mit einem lockeren Lenker und musste viel Kraft aufwenden, um diesen nach den Sprüngen wieder in eine brauchbare Position zu bewegen.

Classic: 1. Fritz Bichler (CZ), 2. Harald Schwarz (KTM), 3. Fritz Bratza (Husqvarna)
Twinshock: 1. Johann Müller (Kramer), 2. Gerhard Wallisch (KTM), 3. Hubert Schreiber (Yamaha)

2. Lauf

Fritz »Raketenmann« Bichler gelang ein Aufsehen erregender Start, großteils am Hinterrad strebte er der hangaufwärts liegenden ersten Kurve entgegen, in seinem »Feuerschweif« kämpfte die heftig und verzweifelt am Gasgriff zerrende Gefolgschaft. Bichler bog als erstes um die Ecke, nahm den Holeshot mit und motivierte sich ausreichend, um am Ende auf Platz 4 bei den Classics zu fahren. Johann Müller erneut mit einem schlechten Start, der ihn aber nicht daran hinderte, auch ein zweites Mal in seiner Klasse den Sieg zu holen.

Eine großzügige Geste seines Rennkollegen Harald Schwarz ermöglichte Lubomir Duda das zweite Rennen dennoch zu bestreiten. Auf der von Schwarz zur Verfügung gestellten KTM 250 gelang es Duda schließlich den zweiten Platz zu erreichen.

Classic: 1. Gerhard Albrecht (CZ), 2. Lubomir Duda (KTM), 3. Erich Winter (BSA)
Twinshock: 1. Johann Müller (Kramer), 2. Andreas Ritt (KTM), 3. Wolfgang Panzenböck (KTM)

Tageswertung

Den Tagessieg bei den Classics holte sich Fritz Bichler (CZ) vor Gerhard Albrecht (CZ) und Harald Schwarz (KTM). Bei den Twinshocks gewann Johann Müller (Kramer) vor Gerhard Wallisch (KTM) und Andreas Ritt (KTM).

Gesamtrangliste

Classic: Fritz Bichler macht einen deutlichen Sprung nach vorne, während Lubomir Duda Punkte verliert und in Schlagdistanz von Harald Schwarz gerät. Twinshock: Wie man bereits in Pulkau erahnen konnte, klebt Johann Müller durch seinen Doppelsieg in Laussa, nun mit nur wenigen Punkten Abstand am Hinterrad von Wolfgang Panzenböck. Es bleibt spannend …!

Crash & Burn

Nicht unerwähnt bleiben soll der spektakuläre Crash in der Klasse MX Open. Ein Fahrer verlor die Kontrolle bei einem Doppelsprung, sprang in den etwas tiefer daneben liegenden Streckenabschnitt mit Gegenverkehr und kollidierte frontal mit einem aus der vorherigen Kurve beschleunigenden Piloten. Zwei weitere Fahrer wurden in das Szenario verwickelt und kamen zu Sturz. Ein Aufschrei im Publikum, vier Maschinen wirbelten mannshoch durch die Luft, deren Piloten lagen verstreut am Boden. Sofortiger Rennabbruch, die Sanitäter kamen zum Einsatz. Ein kleines Wunder geschah, alle Fahrer standen nach wenigen Sekunden wieder auf den Beinen, lediglich einer hatte leichte Verletzungen an der Schulter und ging zu Fuß zum Rettungswagen. Fast unglaublich, dass dabei nicht mehr passierte!

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Zuletzt aktualisiert: 15.09.2010 0:42 Uhr