Wolfgang Panzenböck verabschiedet sich stilvoll von seiner Bultaco (Foto: Peter Donaubauer)

Wolfgang Panzenböck verabschiedet sich stilvoll von seiner Bultaco (Foto: Peter Donaubauer)

Ferdl Tinhofer

Autor: Ferdl Tinhofer

Classic Motocross Seitenstetten 20.8.2011

Mehr als optimal geht nicht!
Oder: wenn der Kreuzschmerz bedeutungslos wird…

Freitag abend konnte man schon förmlich riechen, dass es eine tolle Sache werden würde. Die Strecke war wie immer in einem perfekten Zustand, die Bagger rasselten nur mehr sporadisch und das Wetter schien im Gegensatz zu den letzten Wochen berechenbar. Dann wurden die letzten Geräte installiert und da und dort noch ein Transparent – kosmetische Arbeit sozusagen. Die Frauen und Männer vom MSC Seitenstetten hatten ameisenhaft – wie jedes Jahr – ganze Arbeit geleistet! Bei den Verantwortlichen rannte der Schmäh und man sah jede Menge fröhliche Gesichter, ein gutes Zeichen!

Die ersten Gäste kamen mit ihren Wohnmobilen und auch das Bier war bereits angezapft. Das Team Zylinder – erkennbar an ihren roten T-Shirts und schwarzen Zylinderhüten - konnte man nicht nur sehen, sondern auch hören, da Armin Stumpf zweifellos die erotischste Stimme im Classic MX Circus hat. Achim Schönbrod hatte seine Erdäpfelkanone im Kofferraum und zur Begrüßung gab’s gleich einen Salutschuss – Fritz Bichler fiel dabei fast vor Lachen um. Eine Top-Truppe, die Männer vom Team Zylinder! Nur schade, dass Toni Meier alias »Maico-Toni« diesmal verhindert war und nicht kommen konnte.

Michael Koch aus Wormstedt reiste mit seiner Doris über Mehrnbach und angeschlossenem Kurzurlaub am Attersee an. Danach ging es gleich mal mit Freunden nach Seitenstetten zum Franz in die »Hundsmühle« auf ein Zanderfilet, das der Fritz Bratza schon vorgekostet und weiter empfohlen hatte. Der sympathische Dachdeckermeister aus Thüringen, auch kein Unbekannter (vor allem im DMV), kommt seit Beginn der Classic-Veranstaltungen nach Seitenstetten. Sein Enkel fährt ADAC-Meisterschaft bei den Junioren, ist sauschnell und wurde in Mehrnbach Sechster.

Hans de Jong brachte seine weiße ESO wieder auf Vordermann und feierte schon am frühen Nachmittag seinen Geburtstag mit Freund Oost Ostra, der mit zwei wunderschönen 4-Takt Jawas extra aus Belgien angereist kam.

Lutz Scheffel war mit Klaus Reissmann da, der diesmal pausierte, da er eine Operation hinter sich hatte (aber in Lugnorre schon wieder fahren will). Lutz hatte diesmal zwei Top-CZ mit im Gepäck.

Herbert Karl aus Deutschland – vom Anfang an dabei – war mit seiner Familie am Freitag einer der ersten im Fahrerlager auf seinem Stammplatz. Vladimir Tulka, gebürtiger Tscheche aus Norwegen war ebenfalls einer der ersten, auch Jan Hrdina aus Tschechien war bereits zu sehen.

Petr Kašše – auch schon ein Alt-Seitenstettner – sieht man immer öfter bei österreichischen Motocross-Veranstaltungen, speziell beim Niederösterreich-West-Cup von Franky Schönhofer und Kurt Theuretzbacher. Bohumil Kraus war heuer leider nicht da – man hört, er hätte massive Probleme mit seiner Hüfte.

Der harte Kern der älteren Herren baute sein Nest wieder am oberen Rand des Fahrerlagers. Gerhard Albrecht und seine Doppelport-CZ, Wolf Aichinger diesmal mit seiner leichtfüßigen BSA 250 am Gepäckträger und Fritz Bratza mit seiner Promenadenmischung Husqyama am Anhänger. So täuschte er die Meute, denn im abgedunkelten Van hatte er die Topfengolatschen und seine Everts Replica versteckt, mit der er dann in der Twinshock-Klasse zuschlug (weil der größere Federweg auf den Bodenwellen ja nun doch etwas bequemer ist).

Harry Schwarz mit Sohnemann Heimo (der dessen alte KTMs von Zeit zu Zeit querliegend über die Tables bewegt), der Führende in der Meisterschaft Fritz Bichler (ex Zeleny-CZ) und auch der von Mehrnbach wiedergenesene Hubert Schreiber (CZ 360) waren gekommen. Der »Parasitenkiller« Wolfgang Panzenböck (KTM/Bultaco) hatte seine Werkstatt eröffnet und schraubte, Erich Winter (Triumph Métisse), Toni Steiner (Jawa Métisse) und Gerhard Wallisch (KTM) stießen am Samstagmorgen dazu.

Heimspiel in der Twinshock-Klasse

Der Gewinner dieser Klasse, Gerhard Dieminger (KTM 420) ließ erkennen, dass er seit seiner aktiven Zeit noch nicht ausgekühlt ist - ist ja auch noch nicht so lange her. Von seinem Sohn Florian wird man hören, wenn weiter derart Motocross gefahren wird. Für den Fortbestand der Dieminger Dynastie – die mit Erwin und Heinz Palmsteiner in den Sechzigern begann – ist also gesorgt!

Martin Mayer - ein Mann der lange nichts sagt und sich gerne im Hintergrund hält. Sitzt er aber auf dem Motorrad, schleudert er seine 420er KTM durch’s Wand’l, dass sich Gott erbarmt und das Lenkerende nahezu den Boden streift! So fuhr er auf Anhieb auf den zweiten Gesamtplatz. Auch betreut er seinen Sohn Tobias im Motocross-Sport und dieser ist alles andere als langsam!

Bertl Dieminger mit der Puch Frigerio ist ebenfalls wieder vorne mit dabei, träumt aber inzwischen schon von mehr Hubraum. Egal was, Hauptsache mehr Kubik! Er hat schon ein schlechtes Gewissen, weil er seine 250er Puch immer so furchtbar würgen und hinterher heimlich bei ihr entschuldigen muss …

Sensationell auch die Rückmeldung des ehemaligen Champions Karl Schmidinger (dem Vater von Günter und Andi Schmidinger), der mit Karl Hellers kunterbunter Rotax-SWM still und leise beim ersten Start alle verblies und dann Gesamt-Fünfter wurde. Auch der immer öfter Lebenszeichen von sich gebende Michael Hirschmugl auf seiner wunderschönen Maico 440, der zusammen mit dem Suzuki-Mann Helge Mühlig aus dem deutschen Kirchberg ebenfalls in die vorderen Plätze hinein funkte. Aber egal welche Platzierung, die Twinshock-Cracks lieferten ein tolles Rennen, das auch optisch etwas hergab. Und so mancher wiederkehrende ältere Zuschauer schüttelte bei einem Becher Bier erstaunt den Kopf über die Leistungen in dieser Klasse.

Tolle Besetzung auch in der Classic

Die beiden CZ-Piloten Jan Hrdina und Lutz Scheffel waren kein Thema, das wusste jeder, der die Szene kennt. Für Fritz Bichler wäre ein dritter Platz drinnen gewesen, wenn dieser verdammte Heimvorteil nicht wäre … guter Start, aber dann ein Motoraussetzer, super Lauf, aber dann ein Missverständnis beim Anzeigen, einmal ab in die Botanik, wieder nach vorne gekämpft, ein Ausrutscher, weiter gekämpft, wirklich alles gegeben … aber es war nicht sein Tag und der Ärger groß, dennoch im zweiten Lauf eine tolle Leistung.

Josch Leitner auf der ex Aichinger-Triumph, unauffällig wie ein Wirbelsturm, war plötzlich auf Platz drei in der Klasse 40+. Er bewegte seine wunderschöne Métisse mit einer Leichtigkeit, dass es eine Freude war, ihm dabei zuzusehen!

Oost Ostra war mit einem defekten Vorderrad leider ausgefallen (war einer der Sieganwärter in der Klasse 60+) und mein Freund Hans de Jong war noch etwas müde von seiner Geburtstagsfeier am Vortag. Das machte den Weg frei für Michael Kochs verdienten ersten Platz in der 60+ auf seiner BSA B44.

Nachdem er am Anfang der Zielgeraden bei einem Mitbewerber »andockte«, baute Wolfgang Panzenböck mit seiner Bultaco einen »Rollierer«, der sich gewaschen hatte.

Hubert Schreiber auf CZ fuhr auf einen beachtlichen dritten Platz, gab sich deshalb am Abend eine spirituelle Ölung und blieb samt Familie in Seitenstetten. Harry Schwarz auf KTM und Erich Grünauer mit seiner Dampfhammer-Jawa erbrachten wie gewohnt beständig und gleichmäßig gute Leistungen. Wolf Aichinger erhielt den Ehrenpreis für den ältesten Teilnehmer, er hat die 70 hinter sich. Klaus Reissmann, der 74jährige Seitenstetten-Kenner applaudierte und freute sich schon auf das Rennen in der Schweiz.

Ich bin – eh’ ich es vergesse – das Rennen diesmal auf einer CZ 360 zu Ende gefahren und hatte eine Mordsgaudi mit dem Chist, Gittis Andi, dem Schuasta und dem Gatti. Das waren einige der Verantwortlichen auf der Strecke, die mein Lachen unterm Helm bemerkt haben!

Und am späteren Abend, als der Hannes mit den Mostibären die Leute auf den Tischen zum Tanzen brachte, hat mir unser Rennarzt, der Heimo, bei einer innigen Umarmung versprochen, dass er nächstes Jahr auch bei den älteren Herren starten würde.

Bedanken möchte ich mich auch beim Streckensprecher Tom Katzensteiner, der sowohl am Samstag als auch am Sonntag eine Klasse für sich war. Es liegt eben auch an der Vorbereitung, daran erkennt man den Unterschied zwischen Kompetenz und irgendeinem Schmäh!

Liebe Grüße,
Euer Ferdl …

… dem am folgenden Meisterschafts-Sonntag beim Duell Staufer, Reisinger, Obermair, kurz einmal das Herz in die Hose gerutscht ist. Spannender geht’s fast nicht mehr!

Tagesergebnis (unter Berücksichtigung des Wertungsfaktors)

CLASSIC

  1. Koch Michael (GER), BSA Victor 441
  2. Voithofer Toni (AUT), BSA B44 Cheney
  3. Kašše Petr (CZE), CZ 250

TWINSHOCK

  1. Dieminger Gerhard (AUT), KTM 420 MX
  2. ex aequo Dieminger Herbert (AUT), Puch Frigerio 250
  3. ex aequo Mayer Martin (AUT), KTM 420 MX

Interne Links

Externe Links

Fotos von Günter Tod / www.sportpixel.eu

Zuletzt aktualisiert: 08.09.2011 16:14 Uhr