Der Jubilar Erwin Palmsteiner und sein Fanclub

Der Jubilar Erwin Palmsteiner und sein Fanclub

Ferdl Tinhofer

Ferdls Seitenblicke
Geburtstag Erwin Palmsteiner

Seitenstetten, 29.10.2011

Es waren nahezu alle da – bis auf die, die nicht mehr da sind und das sind leider auch schon einige …

Erwin Palmsteiner – auch einer, der die österreichische Motocross-Geschichte in den 60ern und 70ern mitgeschrieben hat, kam eines Tages vorbei: »Du ich geh den 60er an und ich hab mir vorgestellt, ich lade meine Fans ein und mach ein kleines Fest’l in meiner Garage. Was hältst du denn davon?«

Ich gab ihm zur Antwort, dass ich es für eine gute Sache hielte, aber doch mehr als vier Jahrzehnte vergangen wären und wir all jene wieder zusammensuchen müssten, da diese sich doch zum Teil etwas verstreut hatten.

Ich scannte die alten Bilder, die wir noch fanden auf den PC und schrieb sie dann auf CDs, kramte die alten Filme aus den Schubladen, drei intakte Projektoren kamen zum Vorschein und mit ihnen auch die Erinnerung an die wunderschönen ehemaligen Naturstrecken. Für mich eine der schönsten: der alte Kurs von Behamberg (noch unter der Ortschaft – und somit auch die Erinnerung an den MRC Voralpen mit Friedl Prokop, der eng mit den Fahrern aus Seitenstetten verbunden war und sie immer wieder unterstützt hatte), aber auch an Höhnhart, Krieglach, Wimpassing, Purgstall, Heidenreichstein, Landl, »klein aber mein« in Steyr usw.

Schon bei den Vorbereitungen stießen wir auf Schätze, Dokumente und Utensilien, um die wirklich schade gewesen wäre, wenn sie in einer Schublade verstaubten. Ein Film von 1971 kam zu Tage, Mechanikermeister Willi Fritsch Junior hatte ihn ausgegraben (dessen motorsportbegeisterter Vater hatte damals gefilmt).

Da war Karl Sommerbauer zu sehen mit seiner CZ 504, mit der er in der damals dominierenden Klasse der englischen Viertakter (von 500 bis 750 ccm) alles gewann, was es zu gewinnen gab. Es war die Zeit des Manfred Klerr auf der 250er KTM als Staatsmeister, als Sigi Lerner plötzlich mit der 360er KTM auftauchte und für allgemeines Kopfschütteln sorgte – das pflanzte sich fort mit den Russen Kavinov (der erste Russe auf einer 250er KTM in Markelo/Holland bei der 250er MC Weltmeisterschaft 1972), Moiseev und Rulyev, denen die Werks-CZs plötzlich entwendet wurden.

Der damalige sportliche Betreuer Erwin Lechner wüsste da sicher mehr zu erzählen, von Weltmeister Heinz Kinigadner bis hin zum »The Fastest Stock Dirtbike Ever Built«, der legendären KTM 495. Der unaufhaltbare Aufstieg der Marke KTM hatte damals begonnen. Auf der anderen Seite war da der Geländesport-Europameister Walter Leitgeb mit der Puch (und seinem Bruder Karl), Heribert Dietrich (Europameister in der Klasse 50 ccm), der aufgehende Stern Otmar Ruby, Herbert Schmitz aus Deutschland, bis hin zu Weltmeister Harry Everts mit der legendären Everts-Puch. Fritz Bratza hat so eine und taucht von Zeit zu Zeit damit auf.

Leider war es aber bei Puch umgekehrt. Man schaffte es in Österreich, diese Traditionsmarke kaputt zu machen und in den Ruin zu treiben, das Groteske aber ist, dass gerade diese Marke durch Privatinitiativen von Österreich aus, europaweit einen unglaublichen Boom erlebte und sagenhafte Preise gezahlt werden, für alles wo Puch draufsteht.

Karl Schmidinger kam vorbei und nahm sich die Zeit für lange Gespräche mit allen. Waren Erwin und Karl auf der Piste früher harte Gegner, sind sie heute gute Freunde. Im August hat der Alt-Champ in Seitenstetten gezeigt, was er noch drauf hat. Erwin war oftmals mit den jungen aufstrebenden »Schmidis« – Günther und Andi als Schrauber – unterwegs. Schmidi Senior ließ ein klein wenig hinter seine Karten blicken, alle hörten aufmerksam zu und man bekam einen Einblick wie unglaublich hart es ist, im heutigen Motocross-Sport zu bestehen oder gar ganz vorne mitzumischen.

Mandi und Karl Heller waren da – Karl, der mit seinem technischen Know-how mit allem was ein Schnapsglas (50 ccm) war, viel zu den Anfangserfolgen des Erwin beigetragen hat. Die »Heller Spezial« wie das Moped hieß, war ein Konglomerat aus einem HMW Supersport-Rahmen, Stangl-Puch-Tank, Rädern und einem für die damalige Zeit schon scharf getunten 4-Gang-Puch-Motor aus der Grazer Motorenschmiede.

Martin Mayer, Viertakt-Staatsmeister aus den frühen 90ern, mit Trucks bei der Rallye Paris-Dakar mit dabei, kam mit Vater Helmut. Ex-Gespannfahrer und Renault-Rundstreckenpilot Erich Fritsch, der Vater von Jung-Crosser Mike Fritsch, zog sich einen G’spritzten rein, Gerhard Wolfsberger mit Gattin, er war einer der schärfsten Gegner unseres Erwin in der Klasse 50 ccm, strahlte den ganzen Abend lang.

Der »Moa Hans« kam sogar aus der Schweiz, der Leopold alias »Heiß’n Poldi«, »Bari« Scharfmüller mit Gattin und die Stangl-Puch Großglockner-Bezwinger, zu denen der Erwin auch gehört, Bruder Heinz Palmsteiner, Franz Kammerhofer, Hans Pichlmayr (von ihm stammt das Bildmaterial) und Hermann »Sonni« Sonnleitner waren da. Leo »Kansi« Wieser, seinerzeit auch mit 50 ccm unterwegs, der Dorfschmied Heinz Höfler mit Bruder Joe, der Gruber Ferdl, unser Groupie Christa (in Wildalpen lebend, aber eine waschechte Seitenstettnerin) kam aus den tiefen Tälern der Steiermark und wir freuten uns wirklich sie wieder einmal zu sehen, denn sie war eine begeisterte Begleiterin in all diesen Zeiten.

Fredi Zehetner, auch ein Mann der ersten Stunde, der aber dann sehr erfolgreich in den Fußballsport als Trainer wechselte, war ebenfalls da. Bertl Kammerhofer hat’s nun auch erwischt, denn der redet nur mehr von der ATK und deren Aufbau. Bertl, einer der Top-Fahrer seinerzeit, hatte in Imbach einen fürchterlichen Crash mit Langzeitfolgen, sodass es ihm nicht mehr möglich war, auf ein Motorrad zu steigen und wieder Wettbewerb zu fahren. Er gehört aber zu den Männern beim MSC, die sehr wichtige Hintergrundarbeit leisten, vor allem in der Werbung und zudem war er einige Jahre Rennleiter bei den Seitenstettner Motocross-Veranstaltungen.

Ja und dann natürlich die ganzen Neo-Classic-Crosser des MSC … der Josch Leitner bog überhaupt gleich mit der blank gewichsten Ex-Aichinger-Triumph ums Eck, natürlich vom angrenzenden Privatgrund als Nachbar. Es gab auch eine kleine Ausstellung – Gerhard Dieminger hatte seine beiden KTMs ausgestellt und Bert Diemingers Frigerio stand ebenfalls unter den vielen wirklich neuwertigen restaurierten Puch MS, DS, MC50.

Eines haben alle gemeinsam – sie restaurieren, schrauben, machen aus Schrott wieder Neuwertiges, alles Schwerstinfizierte (was die Erneuerung dieser rollenden Kultur betrifft). Eine verschworene Partie, aber auch was gemeinsame Hilfeleistung in anderen Bereichen betrifft.

Die nahe Verwandtschaft Palmis – Raimund Angerer, Obmann des MSC Seitenstetten – war auch mit von der Partie. Der Raimund war seinerzeit in den 70ern ein Dauermitfahrer vom Erwin (da war er gerade einmal 12), daher aber auch seine ungebremste Begeisterung für Classic Motocross. Einfach zu erklären, weil es seine Kindheit und Jugendzeit geprägt hat und ganz besonders haben es ihm ja die Gespanne angetan. In Seitenstetten gab es jahrelang die Gespannklasse und auch da war der Schmidi top fit auf einem KTM-Gespann. Und soweit ich mich erinnern kann, hat er ganz fürchterlich am Kabel gezogen …

Franz Dieminger, der Halbruder des Erwin, hat eine 77er Suzuki 250 MC in der Garage versteckt, träumt aber nur von was, wo Puch draufsteht. Etwas verspätet tauchte dann auch noch Cousin Bertl Dieminger auf. Er hat den letzten Trainingstag des Jahres im Vereinsgelände noch einmal fürchterlich Gas geben müssen – »weil da Bod’n so geil zu fahren war …«. Dabei hatte er eine Vision – da blieb er stehen, kniete nieder und betete zum lieben Gott: »Bitte lass mich das noch lange machen, ich bleib eh brav«.

So wurde reminisziert, gefachsimpelt und gelacht. Eigenartigerweise waren die neu propagierten RaceCards, MX-Masters Austria, OSK Initiativen, Auner Cup (ja, dann aber wieder doch nicht) überhaupt kein Thema. Neutrales Verhalten war angesagt und das ist gut so, da es absolut keinen Grund gibt atemlos zu werden. Die Nachwuchsarbeit hatte durch engagierte Eltern beim MSC Seitenstetten so oder so immer Priorität, die müssen ja auch das Geld hinblättern und ihre Zeit dafür aufwenden, außerdem arbeitet man in diesem Verein publikumsbezogen, das ist einer der wichtigen Faktoren. Man darf auch auf das Publikum nicht vergessen, schon gar nicht, wenn man Nachwuchsfahrer haben will, die vorne ankommen sollen. Denn dazu braucht es das Publikum, das ist eine Grundregel im Leistungssport überhaupt und darüber sollten jene nachdenken, die immer am lautesten über Förderung des Nachwuchses reden.

Es war ein wirklich schönes Zusammentreffen der Basis. Unser Franz Sindhuber, Chef der Hundsmühle und Gründungsmitglied des MSC Seitenstetten (dessen Sohn Klaus ist ebenfalls einer der jungen Wilden der MSC-Furchenschleuder-Abteilung), zauberte ein Catering vom Feinsten, da blieb aber auch gar nichts übrig …

Dank an Gattin Evi und Erwin für die Einladung und schon geht es Anfang Dezember weiter mit der Krampus-Ausfahrt, dann kommt bald das Christkind und schwupps, schon ist das Jahr vorbei und die neue Saison steht vor der Tür!

Zitat des Abends: »Die können mich alle mit ihren Bankenkrisen, einfach auf den Bock setzen und fahren, sonst wirst sowieso deppert …«

Wie wahr!

Liebe Grüße,
Euer Ferdl Tinhofer

 

Fotos: Hans Pichlmayr

Geburtstag Erwin Palmsteiner
Geburtstag Erwin Palmsteiner
Geburtstag Erwin Palmsteiner
Geburtstag Erwin Palmsteiner
Geburtstag Erwin Palmsteiner
Geburtstag Erwin Palmsteiner
Geburtstag Erwin Palmsteiner
 

Zuletzt aktualisiert: 05.11.2011 13:50 Uhr